Veröffentlichungen

„Der Lack ist up“, 1999 zur Ausstellung DETECON, Bonn

„Volljährig“, 2007 zur Ausstellung AOK Bundesverband, Bonn-Bad Godesberg

„Präzise Ungenauigkeiten“ 2010 zur Ausstellung Raum für Kunst, Bonn

Techniken

Die Lithostrotografie ist ein drucktechnisches Verfahren, das von Ludger Große Wilde 1990 entwickelt wurde.

„Lithostrotografie“ ist ein Kunstwort. Es besteht aus den griechischen Begriffen lithos = Stein, strotós = gestreut und graphein = schreiben bzw. zeichnen. Im Unterschied zur Lithografie (Steinzeichnung), bei der ein ganzer Stein benutzt wird, werden bei der Lithostrotografie zertrümmerte Steine benutzt. Der landläufige Begriff für "zertrümmerte Steine" lautet Schmirgel. Wichtig ist bei beiden Verfahren, dass der Begriff "graphein" jeweils sowohl das Produkt (Bild) beschreibt, als auch das Herstellungsverfahren.

Ludger Große Wilde benutzt diesen Schmirgel, einen industriell hergestellten Werkstoff, bei dessen Herstellung ein feinkörniges Gemenge von Korund (Saphir und Smaragd), mit Magnetit, Hämatit und Quarz auf einen mit Klebstoff versehenen Untergrund (Gewebe) aufgesiebt wird.

Das Druckelement wird seitenverkehrt ausgeschnitten, auf eine Unterkofferung aufgeklebt, mit Farbe eingewalzt und in der Stockpresse gedruckt.

Durch die Wahl verschiedener Körnungen des Schmirgels und unterschiedlicher Intensität des Farbauftrages lassen sich allerfeinste Nuancen erzeugen.

Die Lithostrotografie vereint drei Druckarten in einem einzigen Prozess:

Hoch-, Tief- und Prägedruck.

Beim Einwalzen der Farbe können die "Bergspitzen" (Hochdruck) des Schmirgels und/oder auch die unten liegenden "Täler" (Tiefdruck) mit Farbe aufgefüllt werden. Durch das Pressverfahren überträgt sich die räumliche Struktur des Schmirgels als Prägung auf das Bild. Dadurch entsteht ein Druckergebnis, das bisher weder vom Verfahren noch von seiner ästhetischen Wirkung her bekannt war.

Die Ergebnisse "von einer Platte" weisen Unterschiede auf. Deshalb stellt jeder Druck ein Unikat dar.

Bonn, im November 2015, Martin Junghöfer

 

 

Die Hypherpse (aus dem Griechischen: das Unterkriechen): Hierbei wird eine Schablone auf das unten liegende Schmirgelpapier gelegt und mit flüssigen Pigmenten überstrichen. Durch die Kapillarwirkung unterkriecht die Flüssigkeit die Schablone; das Ergebnis ist nur teilweise steuerbar; man steckt bei diesem Vorgang „nicht drin“ (Ausstellung DARA, Bonn, 1995, über den „Ikarussturz“ nach Pieter Bruegel: „Da stecks’te nicht drin“).

Die Entripse (aus dem Griechischen: der Vorgang des Einreibens): Hierbei wird entweder das Schmirgelpapier über einen Gegenstand bewegt (Ausstellung „Rot Gelb Blau, Künstlerforum Bonn, 1996, eingeriebene Autolacke), oder aber Pigmente werden eingerieben bzw. eingeschlämmt („Katastrophenbilder“ 1989-94; Große Kunstausstellung NRW, Düsseldorf, 1990; „Abakus“ ab 1990).

Monika Müller, 1998